Freisal

Ecken und Kanten

Fünf_Sterne_Freisal„Kommissar Freisal“ erschien bis 2017 im Berliner Be.Bra Verlag und hat es bisher auf drei Kriminalromane von jeweils 272 Seiten gebracht. Die drei Bände sind über den stationären oder den Online Buchhandel verfügbar. Das, außerhalb der Romanreihe produzierte, Freisal-Hörbuch Mordsalibi wurde 2017 beim Autoren-Label Hör´mal! veröffentlicht, überall als MP3-Download erhältlich, wo es Hörbücher gibt.

Das Besondere an der Figur „des Kommissars“ ist, dass sie sich einerseits am klassischen Krimi-Prinzip „Whodunit“ („Wer war es?“) ausrichtet, andererseits beim sogenannten „Cosy-Crime“ einkuschelt. Letzteres meint: „Bei Cosy-Crime-Romanen geht es beschaulicher zu, oft humorig und eben nicht so psychotisch wie in den Schlachterplatten-Thrillern“, schreibt Louisa Pagel auf dem Ullstein-Blog I love writing.

Die Erzählperspektive

Der Leser wird von einem „auktorialen“ Erzähler durch die Bücher geführt. So nennt man eine „allwissende“ Erzählperspektive, die dem Leser mehr verrät als die Helden wissen. Das wird auch beim neuen Band, „Giftzwerg“, schon im ersten Satz klar: „Als sich Kriminalhauptkommissar Hajo Freisal […] auf einem Laufband erst in Trab setzte und wenig später aus der Puste geriet, blieb just im selben Moment einem Laubenpieper […] die Luft zum Atmen in Gänze weg.“ Auch launig intendierte Erzähler-Kommentare haben ihren Platz, wenn es, ebenfalls gleich zu Beginn, heißt:  „Aber besser von vorn.“

Die Kunst mag darin bestehen, das „Allwissende“ und auch das „Humorvolle“ nicht zu überziehen, die Handlung selbst nicht zu ironisieren, sondern die Figuren und was mit ihnen geschieht ernst zu nehmen. Auflockernde Schlenker des Erzählers werden an ausgesuchten Stellen eingesetzt. So kann der Roman, wie vom Autor beabsichtigt, seine Wirkung entfalten: „Der pointiert, spitze, teils zynische Schreibstil des Autors liest sich locker, leicht und ich bin regelrecht durch den Krimi geflogen“, bestätigt eine Leserin auf dem Buchportal lovelybooks. Und wenn polizeiliche Ermittlungstechnik im Kontext einer Szene oder eines Täterverdachts erläutert wird, kann dies als komplementäre Information zur Handlung wahrgenommen werden: „Gut gefällt mir auch, dass man einiges an Fachwissen erhält. So weiß ich jetzt z.B. über den Einsatz und die Entwicklungen einer Fingerabdruck-App Bescheid.“

Bei aller „Allwissenheit“ des Erzählers – und damit immer auch des Lesers – über Personen und deren Hintergründe, geschieht die Auflösung eines Falls stets aus „personaler Perspektive“, also aus dem Blickwinkel bzw. dem Handlungswissen, zugleich Erkenntnisständen, der Ermittler heraus. Das Tor fürs Rätselraten oder Mitkombinieren steht weit offen: „Ich konnte sehr viel kombinieren und bin ganz lange im Dunkeln getappt. Die Auflösung brachten wirklich erst die letzten Seiten und ich habe gebannt gelesen.“

Ob der Roman letztlich gelungen ist, scheint einerseits an der richtigen Mischung der besagten Erzählperspektiven, andererseits am originären Autorenduktus zu liegen.  „Dass ich aber so richtig an den Seiten klebte, dafür sorgen einfach Mannhardts Stil samt seinem richtigen Berliner Original Freisal und dessen Kollegin Yasmine Gutzeit.“

Die Hauptfigur

Wenn bei Kommissar Freisal vergleichsweise wenig Blut fließt, bedeutet das nicht, „dass nicht gemordet wird. Und auch nicht, dass die Mörder nicht kreativ sein dürfen. Wir wollen es in diesem Genre nur einfach nicht en Detail beschrieben haben“, schreibt Louisa Pagel auch. Stimmt schon: „Viele Cosy-Crime-Romane sind sehr amüsant. Das liegt meist an den Ermittlern.“

Hajo Freisal, der übergewichtige Mittfünziger, der nur auf 1,65 Mindestkörpergröße für den Polizeidienst kommt, dabei jedoch knapp 90 Kilo auf die Waage bringt, ist „ein Berliner Original – grantig, herzensgut und hat immer einen Spruch auf Lager“, schreibt eine weitere Leserin auf dem Leserportal.

Freisals Outfit ist wenig hipp: Kurzhaarschnitt, Schiebermütze, Wildlederjacke. Des Autors Kalkül ist, eine dramaturgische Reibungsfläche zu erzeugen insofern, als er einen wertkonservativen Beamten ins Rennen schickt, ihn aber zugleich nicht immer konventionell, hart an der Grenze des Legalen, ermitteln lässt.

Der Kommissar ist zwar ein waschechter Berliner, berlinert jedoch selbst nicht. Auf seine ganz spezielle Art und Weise verfügt er dennoch über „Herz mit Schnauze“, wie es in Berlin so heißt, wenn man von „wortgewandt“ und „schlagfertig“ spricht.

Selbstverständlich sollte ein Krimi aus Berlin auch den Dialekt im besten Sinne „vorführen“. Bei einer Story aus Wien erwartet man ja auch den berühmten „Schmäh“. Berlinern tun bei Freisal aber nur die Nebenfiguren, nämlich jene, deren jeweiliges „Milieu“ es nahelegt.  

Die Dialoge

„Besonders gut gelungen sind Mannhardt die Dialoge, deren Direktheit und Respektlosigkeit die Berliner Mentalität authentisch vermitteln und so manchen Nicht-Berliner ungläubig zurücklassen – und beim Lesen viel Spaß machen“, attestiert die Krimi-Begutachtung des bundesweiten Bibliotheksdienstes ekz.

Auf den Punkt gebrachte Dialoge können Figuren rasch charakterisieren, weil direkt oder indirekt Verbalisiertes Persönlichkeitsstrukturen der Handelnden erkennen lassen sowie die Handlung als solche vorantreiben oder in eine andere Richtung lenken – alles in allem: Ohne viel Worte zu verlieren.    

Von Anbeginn fanden auch die politisch bärbeißigen Reden und Gegenreden des Kommissars großen Anklang beim Publikum. In der letzten Freisal-Leserunde auf lovelybooks.de festigte sich vielleicht genau deshalb auch die Leser-Idee, Freisals launige bis sarkastische Sprüche zu sammeln. „Ich mag Ermittler mit Ecken und Kanten“, schreibt wieder eine andere Leserin. „Freisal weiß, was er will und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen.“ Möglicherweise ist das auch das Merkmal zur Identifikation mit diesem Ermittler.

Die Sprüche

Die besten Sprüche von Kommissar Freisal werden in einem Freisal-Zitate-Lexikon online zusammengestellt. Die Webseite heißt Freisal-Zitate.  Mitmachen können alle Leserinnen und Leser, selbstverständlich auch jene, die nicht bei lovelybooks.de aktiv sind. Auch Freisal-Erfinder Bernd Mannhardt mischt kräftig mit.